Zur Geschichte des Sozialwerks

Im „Heim der offenen Tür“ zu Winkl bei Berchtesgaden betreute das Sozialwerk der Ackermann-Gemeinde heimatvertriebene Jugend

Das Sozialwerk der Ackermann-Gemeinde e.V., das 1950/51 - also bald nach der Gründung der Ackermann-Gemeinde im Jahre 1946 - entstanden ist, versteht sich als die „helfende Hand“ in der weit gefächerten Arbeit der Gemeinschaft. Als eigenständiger Rechtsträger unterstützt es heute die religiöse und kirchliche Erneuerung und dient damit der Neugestaltung partnerschaftlicher Beziehungen zu unseren Nachbarvölkern im Osten, insbesondere der Tschechischen und Slowakischen Republik.

Nach Krieg und Vertreibung ging es in erster Linie darum, den aus ihrer Heimat vertriebenen und nun im völlig zerstörten Nachkriegsdeutschland angekommenen Menschen Rat und Hilfe zu geben, aber auch Trost zu spenden. Die Hilfen bestanden in der Anfangszeit in den unterschiedlichsten Angeboten wie z.B der Unterstützung bei der Suche nach Wohnraum und Arbeit, Handarbeits-, Näh- und Hauswirtschaftskurse oder der Beschaffung von Baby- und Kinderbekleidung. Über die materiellen Hilfen hinaus galt es vor allem, die Menschen bei der gesellschaftlichen Eingliederung und kirchlichen Beheimatung zu unterstützen. Dies wurde verwirklicht durch Gottesdienste, religiöse Feiern, gemeinsam verbrachte Ferientage und Jugendbegegnungen in den sog. „Heimen der Offenen Tür“. Diese vielschichtigen Angebote trugen dazu bei, die Not der ersten Jahre zu lindern.

Trotz allen Mangels und erheblicher eigener Probleme wurde das Schicksal der Landsleute in der Sowjetischen Besatzungszone, aber auch in der „alten Heimat“ nicht vergessen. Schon im Jahr 1948 begann mit der Aktion „Dein Päckchen nach drüben“ die Arbeit der "Osthilfekreise". Sie konkretisierte sich in Hilfsaktionen wie dem Versand von Literatur, Medikamenten, Kleidung, Vitaminpräparaten und Hygieneartikeln.

Während dieser Zeit entstanden auch die ersten Kontakte mit der Kirche in den Vertreibungsgebieten. Sie konnten in der Zeit des Prager Frühlings weiter ausgebaut und auch nach 1968 trotz größter Schwierigkeiten fortgeführt werden. Die inzwischen über 500 Mitarbeiter der Osthilfekreise unterstützten verfolgte und bedrängte Priester, Ordensleute und auch Laien, schickten ihnen philosophisch-theologische Literatur, Medikamente und „Tuzex-Bons’“, mit denen die Betreuten anderweitig nicht erhältliche Artikel erwerben konnten wie z.B. Farben oder andere Materialien für die Renovierung von Kirchen. Das tägliche Gebet „Der Engel des Herrn“ mit dem Zusatz „dass Du unserem Volk Freiheit und die Einheit schenken wollest“ wurde als Gebetsbrücke vereinbart und stellte eine geistige Verbindung zwischen West und Ost dar. Kontakte wurden auch mit in Deutschland lebenden Exulanten aus Osteuropa gepflegt. Eine enge Zusammenarbeit ergab sich mit dem aus Braunau in Nordböhmen stammenden Abt Anastaz Opasek OSB (1913-1999), der seine Heimat 1969 verlassen musste und bei seinen benediktinischen Brüdern in Rohr/Niederbayern Aufnahme fand. Die guten, ja freundschaftlichen Beziehungen zu den Bischöfen in der heutigen Tschechischen und Slowakischen Republik gründen vielfach auf der Kontaktpflege lange vor der Wende. So konnte beispielsweise zur Jahreswende 1968/69 dem damaligen Bischof von Prag, František Tomášek, ein „Buchgeschenk“ in Form einer ganzen LKW-Ladung überbracht werden - Grundstock für die Nachkonziliare Bibliothek in Prag. Der ehemalige Münchener Erzbischof Julius Kardinal Döpfner hat daher in einem Fernsehinterview im Frühjahr 1969 die Ackermann-Gemeinde als ein Werk kirchlicher Friedensarbeit bezeichnet.

Die Wende 1989/90 führte zwangsläufig zu einer Veränderung. Kontakte und Begegnungen mit den östlichen Nachbarn können seitdem in aller Offenheit gepflegt werden. Die gegebenen Probleme und neuen Aufgaben bilden eine besondere Herausforderung. Noch sind viele Fragen zu Status und Pastoral der Kirche bei unsere Nachbarn nicht geklärt. Nach deren Beitritt zur Europäischen Union grassiert häufig die Meinung, Hilfen für diese Länder seien nicht mehr notwendig. Leider ein Fehlurteil. Gerade für den kirchlichen Bereich gilt: Hilfen zur Selbsthilfe und zum Aufbau kirchlichen Lebens sind unverändert von besonderer Bedeutung. Bei so manchem nur oberflächlich informierten Beobachter der Lage hat sich nämlich der Eindruck verfestigt, dass das Restitutionsgesetz von 2013 – die Rückgabe von ehemals enteignetem Hab und Gut an die Kirche in Tschechien – alle Probleme mit einem Streich gelöst habe. Doch wie lange wird es dauern, bis die Kirche auf eigenen Beinen stehen kann? In so manchen tschechischen Diözesen machen sich Ernüchterung und Sorge breit. Ein enormer Verwaltungsaufwand und rechtliche Klärungen werden noch viel Zeit in Anspruch nehmen und hoher personeller, insbesondere aber auch professioneller Einsatz wird nötig sein, um die Kirche auf langfristig sichere Bahnen zu lenken. Unsere Hilfe ist deshalb weiterhin nötig, ja erbeten.

Auch bedürfen die in Tschechien lebenden, nach dem Zweiten Weltkrieg dort verbliebenen Deutschen unserer Hilfe und Solidarität. Jahrzehnte lang waren sie Repressalien und Diskriminierungen ausgesetzt und sind in Folge dessen bis heute z.B. durch sehr niedrige Renten benachteiligt. Mit Mitteln der Bundesregierung unterstützen wir derzeit ca. 650 Personen  - eine gern angenommene, nicht nur finanzielle, sondern insbesondere ideelle humanitäre Geste, ein Signal des Nicht-vergessen-Seins für die deutsche Minderheit in Tschechien.

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